Rassismuskritik praktisch – postkoloniale Lern- und Erinnerungsorte im Unterricht

Unter dem Titel „Rassismuskritik praktisch – postkoloniale Lern- und Erinnerungsorte im Unterricht“ haben wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartner:innen von Integrationshaus e.V  eine Workshopreihe  entwickelt, die es drei Kölner Schulklassen ermöglichte, postkoloniale Spuren in ihrer Stadt kennenzulernen und zu diskutieren. Dies soll dazu beitragen, rassismuskritisches Denken zu fördern und ein Bewusstsein für das historische Erbe aus der Kolonialzeit zu schaffen. Um das sonst häufig theoretisch betrachtete Thema etwas greifbarer zu machen, wurde mit den Kindern und Jugendlichen deshalb ganz praktisch an Orten gearbeitet, die das postkoloniale Erbe Deutschlands auf die eine oder andere Weise sichtbar werden lassen. Gefördert wird dieses Projekt durch den Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Mit zwei Abschlussklassen des Barbara-von-Sell-Berufskolleg wurde das sogenannte „Afrikaviertel“ in Köln- Nippes besucht. In diesem Viertel befinden sich fünf Straßen, die einen Namen mit Kolonialbezug haben. Einige der Straßen, wie zum Beispiel die Usambarastraße (ehemalige Lüderitzstraße) oder die Namibiastraße (ehemalige Carl-Peters-Straße) wurden bereits umbenannt, da die Straßen nicht den ehemaligen Kolonialverbrechern gewidmet werden sollten. Dies war auch eine der Leitfragen für die Schüler:innen: Ob und wie sollen Straßen umbenannt werden, ohne dabei die Geschichte und Hintergründe verschwinden zu lassen.

Dabei wurden Lösungsvorschläge erarbeitet, die beispielsweise vorsehen, die nach Kolonialverbrechnern benannten Straßen berühmten Widerstandskämpfer:innen zu widmen. Auch das Bewusstsein für die Geschichte, die bis heute ihre Auswirkungen zeigt, war vielen Schüler:innen ein Anliegen. Zu diesem Zwecke schlugen Sie vor, Gedenktafeln und Infomaterial vor Ort anzubringen. Einen etwas anderen Besuch machte die 5. Klasse des Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium. Die 10- bis 12-jährigen beschäftigten sich im Rahmen des Workshops mit den gestohlenen Benin-Bronzen – den Kulturschätzen des ehemaligen Königreichs in Namibia, die während der Kolonialzeit entwendet wurden.

Einige dieser Kunstwerke kann man noch bis Januar in einer Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum hier in Köln sehen. Die dortige Ausstellung „Resist“ beleuchtet besonders die verschiedenen Formen des Widerstands in ehemaligen Kolonialgebieten Afrikas. Nach einer kurzen Einführung in der Schule, stand die Fahrt ins Museum an. Vor Ort bekamen die Schüler:innen eine Liste mit allen Kunst- und Wertgegenständen, die aus dem Benin-Königreich geraubt wurden. In der Ausstellung durften sich die Kinder dann frei bewegen, um die Bronzen, die in der Ausstellung zu sehen sind ausfindig zu machen. Die anschließende Aufgabe bestand darin, sich fünf der Exponate auszusuchen und sich den Ablauf für eine möglichen Rückgabe zu überlegen. Wo ist der rechtmäßige Ort für die wertvollen Kunstwerke und wo und in welcher Form sollte eine Übergabe stattfinden? Sollte es eine fröhliche, festliche Parade werden oder eher eine Gedenk- und Trauerfeier? Und wen lädt man zu einer solchen Veranstaltung überhaupt alles ein? Für diese und viele weitere Fragen fanden die Kinder zahlreiche Ideen und Lösungsvorschläge. Klar war, dass die Klasse 5a auf jeden Fall dabei sein wollte!