Eingestellt am16. April 2018 Von inAllgemein, politische_themen, Slider mit 149 Views

„Ende der Natur“: Fragen an Susanne Dohrn

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, über „Das Ende der Natur“ zu schreiben?
Bei einem Urlaub im Baltikum hat mich die Vielfalt der Wildblumen, der Schmetterlinge und Insekten umgehauen. Sie hat mich total an die Natur rund um meine Stadt erinnert, als ich Kind war und wir mit dem Pflanzenführer „Was blüht denn da?“ botanisieren gingen. Ich kam nach Deutschland zurück mit der Frage: Warum ist das bei uns weg? Ich habe angefangen zu recherchieren und bin ganz schnell auf die Landwirtschaft gekommen, denn sie bewirtschaftet mehr als 50 % der Fläche Deutschlands. Hinzu kommen noch 30 % Wald. Straßen, Städte und Dörfer hingegen sind nur ein sehr kleiner Teil der Landesfläche.

Wie lautet die Kernaussage Ihres Buchs?
Die intensive Bewirtschaftung mit dem massiven Einsatz von Dünger, von Mitteln wie Glyphosat, das Beseitigen von Hecken und Kleingewässern, das Ackern bis an den Rand von Straßen, Wegen, Gräben und Hecken – all das verursacht diesen Artenrückgang. Rückzugsräume für die Artenvielfalt wurden und werden konsequent beseitigt. Diese Art der Landwirtschaft hat eine ganze Verlustkaskade in Gang gesetzt: Wildblumen gehen zurück oder sterben aus, die Insekten, die von ihnen leben, ebenfalls. Wenn es immer weniger Insekten und Wildblumensamen gibt, finden die Feldvögel nicht mehr genug Futter. Stare beispielsweise füttern ihre Jungen mit Insekten, die sie auf beweidete Wiesen mit niedrigem Gras und vielen Kuhfladen finden. Seit die Kühe im Stall mit Silage gefüttert werden, wird der Star immer seltener. Kiebitze oder Lerchen bekommen ihre Jungen nicht groß, weil Wiesen so oft gemäht werden, dass ihre Gelege von den Mähwerken zerstört oder die Jungen zerstückelt werden.

Wie können wir umsteuern und etwas gegen das Artensterben vor unserer Haustür tun?
Jeder kann etwas tun: Auf dem Balkon Wildblumen aussähen, im Garten Obstbäume und heimische Pflanzen pflanzen, abgestorbene Baumstümpfe oder Stämme stehen lassen, damit Wildbienen in ihnen nisten können. Kommunen und Kreise können auf ihren Flächen Wildblumenwiesen und blühende Raine anlegen, Landesregierungen dafür das regionaltypische Saatgut bereit stellen. Kirchen können ihre Flächen mit der Auflage verpachten, dass Rücksicht auf die Vielfalt der Natur genommen wird und die Agrarpolitik muss die Landwirte belohnen, die mit der Natur wirtschaften. Landwirte, die das nicht wollen, müssten dann auf Subventionen verzichten. Allein aus Brüssel sind das für Deutschland jährlich etwa 6 Milliarden. Wer kann, sollte Biolebensmittel kaufen, denn der biologische Landbau geht schonender mit der Natur um. All das ist immens wichtig, damit auch zukünftige Generationen die Vielfalt unserer Natur erleben können, sich über Blühpflanzen freuen, Obst und Gemüse essen können, denn die sind alle von bestäubenden Insekten abhängig. Stirbt die Biene, stirbt der Mensch.